TransMi & SITP: 2215 Unfälle,32 Tote,1134 Verletzte im Jahr!

TransMi & SITP: 2215 Unfälle,32 Tote,1134 Verletzte im Jahr!

Beitragvon Refajo » 14 Mai 2014, 17:05

ElTiempo.com hat Einsicht in die Unfallstatistiken des ÖPNV seit 2012 bekommen. Die Daten sind erschreckend:
Im Jahr 2013 waren alleine die Busse von TransMilenio (auf der abgetrennten Busspur) und SITP in 2215 Unfälle verwickelt. Dabei kamen 32 Passagiere ums Leben, 1134 wurden verletzt.

Darüber hinaus muss man davon ausgehen, dass die Statistik unvollständig ist. Meine Schwägerin verletzte sich in einem TransMilenio-Bus den Kopf bei einem Unfall, brachte dies aber nicht zur Anzeige.

Die Antworten von TransMilenio sind zynisch menschenverachtend: Die Schuld läge alleine bei den Subunternehmern. TransMilenio muss auch keinen Schadenersatz zahlen. Dafür müssen sich die Opfer an die Versicherungen der Subunternehmer wenden.

Meine Meinung: Den ÖPNV in private Hände zu geben, ist absoluter Mist. Anstatt dem Allgemeinwohl zu dienen, wird ohne Rücksicht an den Ausgaben und an der Sicherheit gespart, während der Fahrpreis jährlich erhöht wird.

TransMilenio y Sitp: 32 muertos en 2013 y 6 accidentes al día

http://www.eltiempo.com/bogota/crece-ac ... p/13986455
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Re: TransMi & SITP: 2215 Unfälle,32 Tote,1134 Verletzte im J

Beitragvon Gado » 16 Mai 2014, 02:18

Refajo hat geschrieben:Die Antworten von TransMilenio sind zynisch menschenverachtend: Die Schuld läge alleine bei den Subunternehmern. TransMilenio muss auch keinen Schadenersatz zahlen. Dafür müssen sich die Opfer an die Versicherungen der Subunternehmer wenden.


Es ist mit deutschem Rechtsempfinden unvereinbar, dass TransMilenio die Verletzten zur Realisierung ihrer Schadensersatzansprüche an die Subunternehmer bzw. deren Haftpflichtversicherungen verweist. Der Fahrgast schließt einen Beförderungsvertrag mit dem TransMilenio-Unternehmer. Die Rechtsbeziehungen zwischen TransMilenio und den Subunternehmern brauchen den Fahrgast nicht zu interessieren, gehen ihn nicht einmal etwas an.

Als ich den Eingangsbeitrag las, kam mir spontan der Gedanke, zu recherchieren, wie hoch die Unfallhäufigkeit im öffentlichen Personenverkehr in deutschen Großstädten ist. Dann erfuhr ich jedoch aus dem verlinkten Artikel, dass sich die Unfallhäufigkeit in Bogotá von 2012 auf 2013 verdreifacht hat. Dieser Umstand spricht so katastrophal eindeutig gegen die Sicherheit in Bogotá, dass sich weitere vergleichende Recherchen erübrigen.
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Re: TransMi & SITP: 2215 Unfälle,32 Tote,1134 Verletzte im J

Beitragvon Refajo » 16 Mai 2014, 16:38

Vielleicht sollte ich erklären, was es mit SITP auf sich hat. Bislang gab es TransMilenio (mit seinen Alimentadores) als "organisiertes" Bussystem und daneben operierten hunderte von "privaten" Buslinien. Mit "privat" meine ich, dass der Busfahrer die Passagiere persönlich abkassiert, Benzin und Wartung aus eigener Tasche bezahlt und das, was übrig bleibt, sein Gewinn ist. Das Negative an den "Privaten" (neben mangelnder Wartung und SIcherheit) ist der "Krieg um den Pfennig" (guerra del centavo): Ohne Rücksicht auf Verluste bekriegen sich die Privaten auf den Straßen im Kampf um die Passagiere. Es wird gerast und gegnerische Busse werden abgedrängt mit dem Ziel, selber einen Passagier aufnehmen zu können (und eben ein paar Pesos zu kassieren).

Im den letzten Jahr wurde begonnen, was schon vor zig Jahren beschlossen worden war: Die Privaten werden schrittweise in den ÖPNV integriert unter dem Namen SITP d.h. der Passagier soll mit einer einzigen Fahrkarte zwischen TransMilenio und SITP wechseln können, die Busse halten nur noch an dafür vorgesehene Haltestellen und die ehemals privaten Fahrer werden zu Angestellten des ÖPNV ohne Notwendigkeit des Pfennig-Krieges.

Wenn davon die Rede ist, dass sich die Unfallzahlen im letzten Jahr verdreifacht haben, so kann dies u.a. daran liegen, dass nun durch die Integration ehemals privater Busse die Flotte des ÖPNV insgesamt größer geworden ist. Zwar bezweifle ich, dass der Anstieg der Unfallzahlen alleine darauf zurückzuführen ist, aber es könnte eine Rolle spielen.

Was die Entschädigungen angeht, kann ich nachvollziehen, dass TransMilenio nicht für Unfälle im SITP aufkommt, weil das sozusagen eine Parallelwelt ist mit Subunternehmern. Für Unfälle im TransMilenio-System ist es aber schon bezeichnend, dass man nur Passagiere entschädigen will, die Infrastruktur-Mängeln zum Opfer gefallen sind. Alles andere wird den "Subunternehmern" in die Schuhe geschoben. Hier werden den Opfern unnötige bürokratische und juristische Hürden in den Weg gelegt: Wenn ein Bus einen Unfall hat, kann ein Passagier unmöglich alleine feststellen, ob es am Fahrer, am Regen, am Fehler anderer Verkehrsteilnehmer oder eben an den Löchern in der Fahrbahn (Infrastruktur) gelegen hat.

Ob die Verkehrsopfer des ÖPNV schnell und ausreichend entschädigt werden oder erst jahrelang klagen müssen (was sich die Mehrheit der Nutzer nicht leisten kann), entzieht sich meiner Kenntnis.
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