"Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

"Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Refajo » 15 Sep 2013, 11:46

"D1" nennen sich die Discounter-Filialen in Kolumbien, die die Firma "Koba" seit 2009 nach Vorbild des deutschen Aldi betreibt. Schon auf den ersten Blick sind die Ähnlichkeiten unverkennbar:

• Die Produkte werden in ihren Kisten und Kartons belassen, die Preise darüber auf Schildern angegeben.
• Es gibt keine Sonderangebote: Die Kunden sollen stets wissen, dass sie bei D1 den niedrigsten Preis bekommen – nicht erst dann, wenn es ein Sonderangebot gibt.
• Es gibt keine Tüten-Einpacker. Das spart Personalkosten.
• Die Kassierer räumen Produkte bzw. Kartons ein, wenn an der Kasse nichts los ist. Also wie bei Deutschland-Aldi: Spart Kosten.
• Es gibt kein Wachpersonal, weder am Eingang noch innen. (Spart Kosten.) Die Produktregale in der Mitte des Verkaufsraums sind niedrig. So haben alle Angestellten den ganzen Markt jederzeit im Blick. Hinzu kommt die in Kolumbien übliche Videoüberwachung.
• Es gibt keine Plastiktüten umsonst. Die Kunden werden angehalten, ihre eigenen Taschen mitzubringen und die Umwelt zu schonen. Tüten werden aber für 50 Pesos auf Wunsch verkauft.
• Das Sortiment ist auf wenige Produkte und Marken beschränkt. Laut D1 spart das Kosten in der Logistik.
• Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Milky Way aus USA) werden alle Produkte in Kolumbien hergestellt. Das spart Importkosten und nützt der kolumbianischen Wirtschaft. Nach meinem Eindruck werden alle Nicht-Markenprodukte im Auftrag von Koba in Antioquia hergestellt.
• Und das Wichtigste: Es gibt keine Kartenzahlung! Einziges Zahlungsmittel ist Bargeld. Auf einem Schild begründet D1 den Kunden gegenüber, warum das so ist: Kartenzahlungen verursachen höhere Kosten, die sich auf die Preise auswirken, worunter schließlich alle Kunden leiden.
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Refajo » 15 Sep 2013, 11:55

Persönliche Erfahrung
Zu meiner persönlichen Erfahrung: Ich habe D1 erst vor kurzem kennengelernt, seit in meinem Viertel zwei Filialen eröffnet haben. Meine Frau hat beim Vorbeigehen mehrmals gesagt: Das sieht aus wie in Deutschland der Aldi! Ich wollte aber nicht glauben, dass es sich wirklich um eine Kopie des Aldi-Konzepts handelte, bis ich mich im Inneren umgeschaut habe und die Schilder las, auf denen den Kunden das für Kolumbien neue Konzept vorgestellt wird. Einen großen Unterschied gibt es dennoch: Jedes Mal ruft einem beim Betreten ein Mitarbeiter "Buenos dias, bienvenido!" zu. Eine Kassiererin antwortete uns, dass D1 die Kopie eines "europäischen Supermarktes" sei, der "Al día" oder so ähnlich heiße. Darauf meine Frau: "Vielleicht Aldi?" Die Kassiererin: "Ja genau, das ist der Name. Und die Investorengruppe besteht aus Ausländern." (Ob es stimmt, weiß ich nicht.)

Preise
Die Preise sind wirklich niedriger als bei der Konkurrenz. Viele Produkte werden bei D1 in kleineren Verpackungen angeboten, was das Vergleichen der Preise schwieriger macht. Aber selbst wenn man den Preis pro Milligramm oder Milliliter vergleicht, ist D1 immer günstiger. In einigen wenigen Fällen habe ich festgestellt, dass D1 genauso viel verlangt wie die Konkurrenz, aber nie mehr. Man kann also wirklich sicher sein, nicht abgezockt zu werden, egal zu welchem Produkt man greift. Ein Verpackungs-Beispiel: 1,1l Milch kostet in Kolumbien zwischen 2.600 y 3.100 Pesos. Bei D1 kostet 0,9l Milch 1.450 Pesos. Wenn man den superbilligen Preis von D1 auf die übliche Größe von 1,1l umrechnet, kommt dabei ein immer noch erstaunlich günstiger Betrag von 1.772 Pesos heraus! Im Internet gibt es Artikel, die festgestellt haben wollen, dass ein Kunde bei D1 im Schnitt ein Fünftel spart. Nach meiner Erfahrung ist das ein realistischer Wert.

Qualität
Die Qualität der Produkte ist überzeugend. D1 gibt die Garantie, dass bei Unzufriedenheit das Geld zurückerstattet wird. Abgesehen von den bekannten Marken wie Coca-Cola (2,25l=$4.250) gibt es viele Nicht-Markenartikel, sowohl bei Lebensmitteln, wie auch bei Hygieneartikeln, die im Auftrag von Koba in Kolumbien hergestellt werden. Bei diesen spart man am meisten. Schon die Verpackungen sind denkbar schlicht: Aufkleber in schwarz-weiß mit Namen, Zutaten, Herkunft und Haltbarkeit. Kein Design, keine unnötiger Schnickschnack. Leider kommen auch die Produkte von Koba nicht ohne Plastikverpackungen aus.

Service
Der Service ist, wie meistens in Kolumbien, sehr gut. Die Mitarbeiter sind nicht übertrieben freundlich wie in einigen teuren Geschäften, aber durchaus freundlich und bemüht. Besonders gefallen mir die ehrlichen Antworten über die Verfügbarkeit der Produkte. So fand ich am Samstag kein Toastbrot vor. Ehrliche Antwort des Mitarbeiters: Kommt erst wieder am Mittwoch. Und so war es dann auch. Sonst kenne ich in Kolumbien die Ausrede "Mañana!", was dann meistens nicht stimmt.

Fazit
Neben den günstigen Preisen und der guten Qualität, bin ich persönlich von diesen Punkten begeistert:
• Endlich ein Supermarkt OHNE KARTENZAHLUNG! Super! Keine Wartezeiten an der Kasse, weil die Leute zwei Liter Milch mit Kreditkarte bezahlen wollen (wie in Carulla, Exito, etc.)
• Keine kostenlosen Plastiktüten zu Lasten der Umwelt!
• Keine Tüten-Einpacker, die ich daran hindre müsste, meine Produkte für ein Trinkgeld einzupacken. Ich weiß selber am besten, in welche Ecke meines Rucksacks welches Produkt kommt.

Mein Kaufverhalten hat sich geändert. Schon früher habe ich in herkömmlichen Supermärkten wie Carulla nur ganz selten und nur das gekauft, was ich in den "San Andresitos" und den "Tiendas de Barrio" nicht bekommen habe, beispielsweise frisches Baguette und einige "exotische" Lebensmittel aus Asien und Europa. Jetzt kaufe ich aber das meiste in D1, da ich dort fast die gleichen Preise bekomme wie in den San Andresitos, aber sicher sein kann, dass es sich weder um geschmuggelte noch manipulierte Lebensmittel handelt. Außerdem unterstütze ich gerne kolumbianische Produkte und erst recht, wenn der Preis stimmt.
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Bono » 15 Sep 2013, 13:25

Es gibt aber in Spanien eine Supermartkette mit Namen Día welche zur Gruppe Carrefour gehört. Dort sieht es und geht es ähnlich zu wie im deutschen Aldi. Und wenn man sich die Wiki Seite durchliest, dann würde ich eher zu diesem Supermarkt tendieren, auch wenn vielleicht Aldi das Vorbild für Día gewesen ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Distribuidora_Internacional_de_Alimentaci%C3%B3n
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Refajo » 15 Sep 2013, 13:42

Könnte sein. Die Worte der Kassiererin "Al día" erinnern mich mehr an "Aldi", aber sie muss ja nicht Recht haben. Auf der Facebook-Seite von D1 ist ein Artikel der Deutschen Welle über Aldi verlinkt: https://www.facebook.com/D1KobaColombia

Laut diesem Artikel ist "Koba" eine anonyme Investorengruppe mit Sitz in Panama. Die kolumbianische Santo-Domingo-Gruppe soll für 11 Millionen Dollar 20% der Anteile erworben haben.
http://www.portafolio.co/economia/grupo ... ercados-d1

Egal wer nun der Eigentümer ist. Als Deutscher wird man beim Betreten eines D1-Marktes an das "Discounter"-Konzept erinnert. Das kann Aldi heißen oder Lidl oder Día...
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Bono » 15 Sep 2013, 15:28

Refajo hat geschrieben:Egal wer nun der Eigentümer ist. Als Deutscher wird man beim Betreten eines D1-Marktes an das "Discounter"-Konzept erinnert. Das kann Aldi heißen oder Lidl oder Día...

Ja, ist eigentlich egal. Die Brüder Albrecht waren eh die Vorreiter und alles was danach kam und noch kommt ist eine Kopie.
Aber gut für euch in Bogota das ihr so eine Möglichkeit des Einkaufens habt. Würde unserer Stadt sicher auch gut zu Gesicht stehen, aber leider bedeutet Bogota, Medellin, Cali, Cartagena und Barranquilla = Kolumbien.
Der "klägliche" Rest des Landes ist Provinz und deshalb ist Kolumbien auch um Jahre zurück.
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Refajo » 20 Nov 2013, 19:44

So ganz nebenbei erfährt man am Ende eines Spiegel-Interviews, dass hinter der kolumbianischen Aldi-Kopie wohl auch ein ehemaliger Aldi-Manager steckt ;) Ein weiteres Indiz dafür, dass hinter der "Sociedad Anónima" Deutsche die Fäden ziehen.

Ex-Discount-Manager Brandes: "Klugscheißerabteilungen abschaffen"

[...] Dieter Brandes (Jahrgang 1941) arbeitete 14 Jahre für Aldi, zunächst als Geschäftsführer, später als Mitglied des Verwaltungsrates. In den Jahren danach entwickelte er Aldi-ähnliche Unternehmen im Ausland - derzeit zusammen mit seinem Sohn und Mitautor Nils Brandes, in Kolumbien und Saudi Arabien.

http://www.spiegel.de/karriere/berufsle ... 32406.html
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon informador.in » 25 Nov 2013, 14:18

Schon mal gut fuer den Anfang, sieht zwar recht schlampig aus auf den Fotos aber wenn die Preise stimmen
ok,aber eben nur in Bogota und den anderen Grossstaedten.,, der Rest guckt in die Roehre.
Und bei den ueberzogenen Preisen in Exito&Co sicher eine Erleichterung aber es stimmt nicht das 1 liter Milch
3000 pesos kostet,ich bezahle fuer 900 ml Colanta 2000 pesos aber da keine Konkurrenz vorhanden ist kann
das sicher auch mal 3000 pesos kosten.
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Refajo » 26 Nov 2013, 10:04

In den großen Supermärkten (Carulla, Exito) kostet der "Megalitro" zwischen 2.600 und 3.000 Pesos. Wie dem auch sei, an die 1.450 Pesos für 0,9l im D1 kommt keiner ran.

Ich finde den D1-Markt auf den Bildern nicht schlampig. Gelbe Preisschilder und Warenkartons erinnern mich sehr an Aldi. Natürlich kann man Aldi auch schlampig finden.
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Refajo » 27 Nov 2013, 21:14

Habe heute gesehen: Die Milch kostet sogar nur noch 1.350 Pesos im D1.
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Re: "Aldi" Discounter in Kolumbien – D1 (Koba)

Beitragvon Gado » 28 Nov 2013, 03:44

Refajo beschreibt bereits in seinem Eröffnungsbeitrag die Ähnlichkeit zwischen D1 und Aldi. Er begrüßt wiederholt, dass D1 keine Kartenzahlung, sondern nur Bargeld akzeptiert. So hat es bei Aldi ursprünglich auch angefangen. Ab dem Jahr 2005 kann man bei Aldi allerdings mit der EC-Karte bezahlen. Nach meiner Erinnerung erlaubte Aldi die Zahlung mit der EC-Karte, nachdem in Sonderaktionen immer teurere Artikel wie beispielsweise Computer angeboten wurden. Kein Kunde kauft gern ein, wenn er mehrere hundert Euro in bar bei sich haben muss. Außerdem verführt die Möglichkeit, mit der EC-Karte zu bezahlen, die Kunden dazu, beim Einkauf nicht so genau zu rechnen und den einen oder anderen Artikel zusätzlich mitzunehmen.

Ich bin deshalb gespannt, ob D1 das Konzept, nur Barzahlung zu akzeptieren, auf Dauer durchhalten wird.
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