Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Beitragvon Gado » 17 Jan 2020, 11:23

Eltiempo.com berichtet Folgendes:
https://www.eltiempo.com/salud/el-insol ... jar-452302

Etwa 4.000 kolumbianische Ärzte, die in Kolumbien studiert haben, warten darauf, dass das Ministerio de Educación ihre im Ausland erworbene Facharztqualifikation anerkennt. Solange dies nicht geschehen ist, dürfen diese Ärzte in Kolumbien nicht als Fachärzte, sondern nur als Internisten bzw. Allgemeinärzte arbeiten. Insgesamt warten rund 9.500 Akademiker darauf, dass ihre im Ausland erworbene Qualifikation anerkannt wird. Inzwischen haben mehr als die Hälfte dieser Antragsteller den Erlass einer Tutela beantragt.

Gerade bei den Ärzten ist die Verweigerungshaltung des Ministeriums unverständlich, weil es im Facharztbereich für die gesetzlich Versicherten lange Wartezeiten gibt. So wartet ein Krebspatient in Cartagena 3 bis 5 Monate, bevor er zu einem Onkologen kommt.

Der Verfasser schildert zwei Fälle, die er als typisch bezeichnet:

Ein kolumbianischer Arzt, der sich an einem renommierten Krankenhaus in Argentinien zum Onkologen weitergebildet hat, hat erlebt, dass sein Antrag auf Anerkennung mit Anträgen anderer Personen verwechselt wurde, dass sein Anliegen nur pauschal geprüft und dann ohne Begründung abgelehnt wurde.

Ein anderer kolumbianischer Arzt ließ sich in Spanien zum Neurochirurgen weiterbilden und erhielt eine internationale anerkannte Auszeichnung. Im März 2019 erwirkte er eine Tutela zu seinen Gunsten. Das Ministerium behauptete wahrheitswidrig, der Antragsteller habe seine Dokumente nicht vollständig eingereicht, erteilte die Facharztanerkennung dann im Juli 2019.

Bezüglich der Anerkennung ärztlicher Abschlüsse innerhalb der EU, dem EWR sowie in der Schweiz schreibt die deutsche Bundesärztekammer unter anderem:

Innerhalb der Europäischen Union regelt die Europäische Richtlinie 2005/36/EG die gegenseitige Anerkennung der Ausbildungsnachweise für die ärztliche Grundausbildung sowie die Ausbildungsnachweise für den Facharzt.
Die Anerkennung von in der EU, dem EWR sowie in der Schweiz erworbenen Abschlüssen dürfte unproblematisch sein (sogenanntes automatisches Anerkennungsverfahren im Sinne der Richtlinie 2005/36/EG), sofern die Mindestanforderungen des Artikels 24 (Ärztliche Grundausbildung) und des Artikels 25 (Fachärztliche Weiterbildung) bzw. 28 (Allgemeinmedizin) der EU-Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen erfüllt sind.

https://www.bundesaerztekammer.de/aerzt ... r-schweiz/
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Re: Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Beitragvon Refajo » 21 Jan 2020, 18:57

Offensichtlich mangelt es selbst im Bildungsministerium an... Bildung. Das ist bezeichnend für die Bildungspolitik der letzten Regierungen, die so gut wie nicht stattfand. Auch unter Duque ist klar, dass sich da nichts ändern wird.

Ich kenne mehrere Anwälte, die sich darauf spezialisiert haben, die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen einzuklagen. Durch das Unvermögen der "Bildungs"-Beamten entsteht so ein neues Berufsfeld. Zwar bin ich kein Experte auf dem medizinischen Gebiet, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass kolumbianische Unis bessere Ärzte hervorbringen sollen als US-amerikanische oder europäische. Wenn ein Land ausländische Abschlüsse nicht anerkennt, dann doch wohl mit der indirekten Begründung, dass sie dem einheimischen Standard nicht entsprechen. Beim kol. Bildungsministerium könnte ich mir auch vorstellen, dass sie durch das Ablehnen von ausländischen Titeln die einheimische private Bildungsindustrie schützen wollen.
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Re: Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Beitragvon Gado » 22 Jan 2020, 03:31

Refajo hat geschrieben: Beim kol. Bildungsministerium könnte ich mir auch vorstellen, dass sie durch das Ablehnen von ausländischen Titeln die einheimische private Bildungsindustrie schützen wollen.


Die Verwaltungsbeamten im Ministerium sind naturgemäß überfordert, wenn sie für alle akademischen Berufe die Gleichwertigkeit ausländischer Abschlüsse beurteilen sollen. Deshalb müssen sie sich der Expertise von Fachleuten bedienen. Das sind Kolumbianer aus der zu beurteilenden Fachrichtung. Diese Personen haben selbstverständlich ein Interesse daran, ihre eigene Ausbildung und diejenige, welche sie in Kolumbien vermitteln oder vermittelt bekamen, als besonders herausragend darzustellen.
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