Reihenfolge im Nachnamen des Kindes

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Reihenfolge im Nachnamen des Kindes

Beitragvon Gado » 07 Nov 2019, 08:34

Artikel 1 der Ley 54 de 1989 bestimmt, dass sich der Nachname des Kindes jeweils aus dem ersten Bestandteil des Nachnamens des Vaters und der Mutter zusammensetzt. Dabei erhält der Nachname des Kindes den Namensbestandteil des Vaters in der Reihenfolge vor demjenigen der Mutter.

Mit acht Stimmen gegen eine Stimme hat der Verfassungsgerichtshof die automatische Voranstellung des Vaternamens als Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter - und damit als Verstoß gegen die Verfassung von 1991 - angesehen. Der Verfassungsgerichtshof hat dem Congreso aufgegeben, bis zum 20. Juni 2020 eine verfassungskonforme Neuregelung zu schaffen. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt die bestehende Regelung in Kraft. Sollte am 20. Juni 2020 keine verfassungskonforme Neuregelung vorliegen, bestimmen die Eltern über die Reihenfolge im Nachnamen des Kindes. Können sich die Eltern nicht einigen, entscheidet der Standesbeamte durch Los.

Die Regierung war bei der Beantwortung der Frage, ob die geltende Rechtslage verfassungswidrig sei, uneins. Das Justizministerium hielt die Regelung in der Ley 54 de 1989 für verfassungswidrig, das Innenministerium hielt sie hingegen für verfassungsmäßig.

https://noticias.caracoltv.com/colombia ... titucional

https://www.eltiempo.com/justicia/corte ... jos-430804

Das deutsche Recht kennt nur einen Namensbestandteil im Nachnamen. Gemäß § 1616 BGB erhält das Kind den Ehenamen seiner Eltern. Führen die Eltern keinen Ehenamen und steht ihnen die Sorge gemeinsam zu, können sie gemäß § 1617 Abs. 1 BGB einvernehmlich bestimmen, dass das Kind den Nachnamen des Vaters oder der Mutter erhalten soll. Treffen die Eltern keine Bestimmung, überträgt das Familiengericht nach § 1617 Abs. 2 BGB das Bestimmungsrecht einem Elternteil. Übt dieser Elternteil sein Bestimmungsrecht nach Fristsetzung nicht aus, erhält das Kind den Namen dieses Elternteils.

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/ ... G015202377

Es bleibt abzuwarten, ob der kolumbianischer Gesetzgeber für den Fall, dass sich die Eltern über die Reihenfolge der Bestandteile des Nachnamens nicht einigen können, einen Losentscheid, die Einschaltung eines Richters oder ein sonstiges Verfahren vorsieht.

Noticias.caracoltv.com hat seinen Nutzern folgende Frage gestellt:

¿Cuál apellido preferiría que llevaran primero sus hijos?

Heute gegen 8:10 deutscher Zeit haben von 7.262 Nutzern 45,74 % für
EL DEL PAPÁ, 23,01 % für EL DE LA MAMÁ und 31,24 % mit LE ES INDIFERENTE gestimmt.
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Re: Reihenfolge im Nachnamen des Kindes

Beitragvon heine » 08 Nov 2019, 20:49

Zitat Gado "Das deutsche Recht kennt nur einen Namensbestandteil im Nachnamen"

Gado, vielleicht hast Du das ja nicht so gemeint, sondern anders gemeint. ich bin nun nicht in die deutschen Gesetze eingestiegen, aber ich meine mit Sicherheit sagen zu können dass das nicht stimmt was in dem Zitat steht
wie viele Frauen verlangen doch inzwischen, dass sie nach der eheschließung neben dem familiennamen des Mannes auch ihren eigenen familiennamen weiterführen können da wird dann ein Bindestrich gezogen zwischen beiden Namen und fertig ist es

(Ich sage nur Kramp-Karrenbauer, hahaha)

Und wenn das bei Eheleuten geht, muss das auch bei Kindern gehen meine ich jedenfalls

wie gesagt ich habe nicht in die Gesetze geschaut, aber mir sagt das mein "deutscher" juristischer Sachverstand
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Re: Reihenfolge im Nachnamen des Kindes

Beitragvon Gado » 09 Nov 2019, 07:40

heine hat geschrieben:Zitat Gado "Das deutsche Recht kennt nur einen Namensbestandteil im Nachnamen"
Gado, vielleicht hast Du das ja nicht so gemeint, sondern anders gemeint.


Das Namensrecht ist kompliziert. Deshalb habe ich versucht, mich möglichst einfach auszudrücken. Das ist - wie heine zu Recht schreibt - nicht ganz gelungen. Natürlich kann ein einziger Nachname in Deutschland bereits aus mehreren Teilen bestehen, wie zum Beispiel bei dem Nachnamen „von der Leyen“.

Nach § 1355 Abs. 2 BGB besteht der gemeinsame Familienname (Ehename) entweder aus dem Namen der Frau oder dem des Mannes. Eine Kombination ist beim Ehenamen nicht erlaubt.
Der Ehegatte, dessen Name nicht Ehename wird, hat nach § 1355 Abs. 4 BGB die Möglichkeit, seinen Namen dem Ehenamen voranzustellen oder anzufügen. Besteht der Name eines Ehegatten aus mehreren Namen, so darf nur einer dieser Namen hinzugefügt werden. Diesen Beinamen kann das Kind nicht erwerben (Palandt/Götz § 1616 BGB Rn. 1).

Führen die Eltern keinen Ehenamen, bekommt das Kind - durch einvernehmliche Entscheidung der Eltern oder durch Gerichtsbeschluss - den Namen eines Elternteils. Aus den Einzelnamen der Eltern darf beim Kind kein Doppelname gebildet werden (Palandt/Götz § 1617 BGB Rn. 4).

Fazit: Das Kind erhält als Nachnamen nur den Nachnamen eines Elternteils. In Kolumbien enthält der Nachname des Kindes Bestandteile der Nachnamen beider Eltern, sodass sich in Kolumbien - anders als in Deutschland - die Frage nach der Reihenfolge stellt.
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Re: Reihenfolge im Nachnamen des Kindes

Beitragvon heine » 09 Nov 2019, 11:52

Zitat
Fazit: Das Kind erhält als Nachnamen nur den Nachnamen eines Elternteils.

Frau Kramp-Karrenbauer lässt sich von ihrem jetzigen Ehemann scheiden und heiratet einen Herrn Müller
Beide beschließen, dass jeder seinen eigenen Namen behält
Die eheleute bekommen ein Kind und beschließen, dass das Kind den Namen der Mutter erhalten soll
Gado, meines Erachtens heißt das Kind dann ganz zwanglos Kramp-Karrenbauer, hat also einen doppelnamen
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Re: Reihenfolge im Nachnamen des Kindes

Beitragvon Gado » 10 Nov 2019, 11:41

Zu dem Fall, den heine im vorstehenden Beitrag schildert, heißt es im Standard-Kommentar zum BGB, dass die Frage, ob das Kind den Begleitnamen eines Elternteils führen darf, umstritten ist (Palandt/Götz § 1617 BGB Rn. 4). Der Kommentator vertritt die Auffassung, die heine für richtig hält, weil eine § 1757 Abs. 1 Satz 2 BGB vergleichbare Regelung fehle.

Lassen wir die komplizierten Sachverhalte außen vor und betrachten wir den Standardfall, ergibt sich Folgendes:

Bei wikipedia ist zu lesen, dass Frau Kramp und Herr Karrenbauer geheiratet haben und dass das Ehepaar drei gemeinsame Kinder hat. Diese Kinder dürfen nach heute geltender Rechtslage nur den Nachnamen Karrenbauer führen. Der Begleitname der Mutter entfällt.
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