Gegenüberstellung: Corona in Peru und Kolumbien

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Gegenüberstellung: Corona in Peru und Kolumbien

Beitragvon Refajo » 21 Jul 2020, 07:58

Ein exzellenter Artikel von Katharina Wojczenko. Zusammen mit einer Kollegin aus Lima vergleichen sie die Zustände der beiden Gesundheitssyteme für Familien der unteren Mittelschicht. Kolumbien schneidet dabei deutlich besser ab als Peru.

Auch aus meiner langen Erfahrung kann ich sagen, dass das kolumbianische Gesundheitswesen viel besser konzipiert ist als in anderen Entwicklungsländern. Natürlich gibt es viel Verbesserungsbedarf, was im Artikel auch anklingt. Aber in einem wichtigen Punkt hat Wojczenko Recht: Bei allen Mängeln in Kolumbien kenne ich niemanden, der sein Hab und Gut hätte verkaufen müssen, um z.B. eine teure Chemotherapie oder eine Coronabehandlung auf der Intensivstation zu erhalten. Da habe ich in USA und Ecuador ganz andere Sachen gesehen.

Warum Familie Tanta fast ruiniert ist –und Familie Sánchez Glück hatte

Peru und Kolumbien gelten als aufstrebende Staaten in Südamerika. Doch das Coronavirus legt die Unterschiede zwischen den beiden Ländern offen: Hier rettet das Gesundheits­system die Kranken – dort sind die Menschen auf sich alleine gestellt.

https://www.republik.ch/2020/07/20/waru ... xvPMYD55eE
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Re: Gegenüberstellung: Corona in Peru und Kolumbien

Beitragvon Gado » 26 Jul 2020, 04:14

Die Autorinnen vergleichen die Gesundheitssysteme von Peru und Kolumbien anhand von je einem Fall aus beiden Ländern. Es wird geschildert, wie die Behandlung von Patienten, die an Covid-19 erkrankten, abgelaufen ist:

In Peru hat das staatliche Gesundheitssystem versagt. Die notwendige Privatbehandlung hat 3.000 Schweizer Franken gekostet. Demgegenüber waren in Kolumbien nur 90 Schweizer Franken privat aufzuwenden, der Rest wurde von der Krankenkasse oder vom Staat getragen.

Allerdings sind die beiden Familien nicht vollständig vergleichbar. Denn die Protagonistin aus Kolumbien ist Oberschwester in einem staatlichen Krankenhaus. Die Autorinnen haben die mangelnde Vergleichbarkeit erkannt. Deshalb schreiben sie am Ende von Kapitel 9, dass jemand, der sich nicht so gut wie die Krankenschwester im Versicherungsdschungel auskennt und seine Rechte einfordern kann, in Kolumbien „womöglich auf der Strecke bleibt“:

Denn als die kolumbianische Krankenkasse den Corona-Test verweigerte, hat die Oberschwester ihren Vater kurzerhand in die Notaufnahme des Krankenhauses gebracht, in dem sie arbeitet. Dort wurde der Vater behandelt, ohne dass dafür bezahlt zu werden brauchte.
Als die Testergebnisse auf Covid-19 für andere Familienmitglieder nach Wochen nicht vorlagen, hat sich die Oberschwester bei der Aufsichtsbehörde beschwert und erhielt umgehend das Ergebnis.
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